Schon eine Stunde vor dem offiziellen Beginn herrschte reges Treiben. Eine Gruppe von Schülern der Grundschule Wahlen war mit dem Marktbus frühzeitig angereist, um an einer kleinen Führung samt Quiz rund um das Thema Kinderrechte teilzunehmen. Gemeinsam mit der Referentin für Öffentlichkeitsarbeit machten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst auf den Weg zu „ihrem“ Schild am Rathaus.
Die Grundschule Wahlen hatte sich im Vorfeld intensiv mit Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention beschäftigt – dem Recht auf Schutz der Privatsphäre und der Würde. Mit viel Kreativität entstanden zahlreiche Bilder und Ideen für die Gestaltung der Schilder. „Es war spannend zu sehen, wie selbstverständlich Kinder verstehen, dass jeder ein Recht darauf hat, respektiert zu werden“, erklärte Silke Mertes, Gesamtleitung Kindertageseinrichtungen der Gemeindeverwaltung. „Gerade diese Offenheit und Ehrlichkeit machen das Projekt so besonders.“
Aus einer Idee wurde ein Weg durch ganz Losheim
Die Idee zum Weg der Kinderrechte entstand bereits 2023. Initiiert wurde das Projekt von Silke Mertes, Gesamtleiterin der Kitas der Gemeinde Losheim am See. Kinderrechte spielen in den Kindertageseinrichtungen seit Jahren eine wichtige Rolle – nicht als trockene Theorie, sondern als gelebter Alltag. Demokratiebildung, Mitbestimmung und gegenseitiger Respekt gehören dort selbstverständlich dazu.
Gemeinsam entwickelten Astrid Härtel vom Fachbereich 5, Silke Mertes und die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit daraus ein umfassendes Konzept. Ursprünglich war lediglich ein kleiner Rundweg rund um das Rathaus geplant. Doch aus der ersten Idee wurde schnell mehr. Heute führt der Weg quer durch den Ortsteil Losheim – vorbei an Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche auf ihrem Lebensweg begleiten: der Grundschule Losheim, der KiTa Sonnengarten, der Peter-Dewes-Gemeinschaftsschule, dem Jugendcafé, der Bücherei, der Kirche und der KiTa Wirbelwind. Start- und Endpunkt ist das Rathaus.
„Kinderrechte gehören nicht an einen Randplatz“, betonte Bürgermeister Helmut Harth in seiner Ansprache. „Sie gehören mitten in unseren Alltag – sichtbar, greifbar und verständlich.“
Eine Geschichte, die bewegt
Kindgerecht und zugleich eindrucksvoll erklärte der Bürgermeister den jungen Gästen die Entstehung der Kinderrechte. Dabei spannte er den Bogen von den schweren Zeiten nach den Weltkriegen bis hin zur UN-Kinderrechtskonvention von 1989.
Damals wurden Kinder vielerorts vernachlässigt oder mussten arbeiten. Erst nach Jahrzehnten des Umdenkens rückten ihre Bedürfnisse weltweit stärker in den Mittelpunkt. 1979 wurde schließlich das Internationale Jahr des Kindes ausgerufen, ehe die Vereinten Nationen zehn Jahre später die Kinderrechtskonvention verabschiedeten. Heute gilt sie als eines der wichtigsten internationalen Abkommen zum Schutz von Kindern weltweit. Der Losheimer Weg greift zehn dieser insgesamt 42 Kinderrechte auf. Jedes Schild erzählt dabei seine eigene kleine Geschichte – gestaltet von Kindern aus Schulen und Kitas unserer Gemeinde.
„Die Vielfalt der eingereichten Bilder hat uns überwältigt“, sagte Astrid Härtel. „Man hat sofort gespürt, wie ernsthaft und fantasievoll sich die Kinder mit den Themen beschäftigt haben.“ Die Auswahl fiel der Gemeinde deshalb alles andere als leicht. Viele weitere Bilder sollen nun im Laufe des Jahres in einer Ausstellung gezeigt werden.
Kinder als Botschafter ihrer Rechte
Besonders lebendig wurde die Veranstaltung, als Astrid Härtel zehn Kinder der Grundschule Wahlen auf die Bühne bat. Offen, und gleichzeitig etwas schüchtern durch die ungewohnte Situation beantworteten sie Fragen zu den Kinderrechten.
Was bedeutet eigentlich Privatsphäre? Welche Medien kennen Kinder heute? Gehören Bücher auch dazu? Die Antworten zeigten, wie intensiv sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema auseinandergesetzt hatten.
Ein weiterer Programmpunkt war ein vierminütiges Video des bekannten Influencers „Checker Tobi“, der kindgerecht erklärte, warum Kinderrechte schützen, fördern und Kindern ermöglichen sollen, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.
Für alle Besucherinnen und Besucher, die den Weg nicht direkt ablaufen konnten, gab es außerdem einen virtuellen Rundgang durch die einzelnen Stationen. Passend dazu lag erstmals auch der neue Flyer zum Mitnehmen bereit – bunt gestaltet, leicht verständlich und sowohl mit einer Weges-Skizze als auch mit allen zehn Stationen des Losheimer Weges versehen. Auf der Rückseite sind sämtliche 42 Kinderrechte der UN-Kinderrechtskonvention übersichtlich dargestellt.
Ein Projekt mit Signalwirkung
Zum Abschluss versammelten sich Kinder, Gäste und Verantwortliche noch zu einem gemeinsamen Gruppenbild vor dem Rathaus. Danach blieb Zeit für Gespräche bei Obst, Snacks und Getränken – und genau dort wurde deutlich, was dieses Projekt ausmacht: Begegnung, Austausch und das gemeinsame Bewusstsein, dass Kinderrechte keine Selbstverständlichkeit sind. Der neue Weg der Kinderrechte ist deshalb weit mehr als ein Spazierweg durch Losheim. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Kinder ernst genommen werden – mit ihren Ideen, ihren Fragen und ihren Rechten. Oder, wie es ein Kind an diesem Tag ganz einfach formulierte: „Kinder sollen wissen, dass ihre Meinung wichtig ist.“ Ein Satz, der den Geist dieses Projekts wohl kaum besser hätte zusammenfassen können.




